Stress-Belastungen und ihre Wirkung auf das Immunsystem

Wie entstehen Stress-Belastungen?

Stress entsteht, wenn wir glauben, einer Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Ein alter biologischer Mechanismus soll uns in diesen schwierigen Situationen fit machen, um die Herausforderung bewältigen zu können.

Bei Gefahr reagiert unser Kopf blitzschnell. Wir analysieren die Anforderungen der Situation und schätzen sie aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen ein. Sind wir bisher mit ähnlichen Herausforderungen gut zurechtgekommen? Dann werden wir die aktuelle Lage als wenig belastend empfinden. In Stress kommen wir, wenn wir die Lage nicht bewältigen können – oder glauben, das nicht zu können. Schon das Gefühl „Ich schaffe das nicht“ reicht dafür aus.

Auswirkungen von Stress-Belastungen

Die körperliche Reaktion von Stress ist immer die gleiche: Wenn wir uns in Gefahr befinden, nimmt unser Körper alle Kraft zusammen und versorgt uns mit Energie. So können wir kämpfen oder weglaufen. In den früheren Jahren der Menschheitsgeschichte war das sehr praktisch. Nur so konnten wir wilden Tieren und anderen Gefahren entrinnen.

Heute läuft die Stressreaktion immer noch so ab. Nur dass wir in alltäglichen Situationen, die wir stressig empfinden, meist weder fliehen noch kämpfen können. Oft brauchen wir die bereitgestellten Energien gar nicht. Dann kann sich diese Energie gegen den eigenen Körper richten. Steht man nur kurz unter Stress, bauen sich die Energien schnell wieder ab. Bei Daueralarm im Körper können dagegen ernste gesundheitliche Schäden entstehen.

Dazu gehören:

  • Hoher Blutdruck,
  • Verdauungsbeschwerden,
  • ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt,
  • Spannungskopfschmerzen,
  • mehr Infektionen
  • Depressionen,
  • Migräne,
  • Zyklus- und sexuelle Störungen.

 

Dauerstress ist ein Risikofaktor für eine Vielzahl von Krankheiten, auch für Allergien und Unverträglichkeiten. Dabei entscheidet das Gehirn, welche Erfahrungen stressig sind.

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Stresszentrale im Gehirn – Zentrale der Stress-Belastungen

Eine sehr wichtige Hirnregion für unser Erleben von Stress und Angst ist die Amygdala. Die Amygdala ist ein kleiner, mandelförmiger Komplex von Nervenzellen im unteren Bereich des Gehirninneren. Sie ist Teil des sogenannten Limbischen Systems. Das ist ein Verbund verschiedener Hirnstrukturen im Innern des Gehirns, der eine große Rolle bei der Verarbeitung von Emotionen spielt.

 

 

Wege der Stresszentrale im Gehirn

Um die Kampf- und Fluchtreaktion auszulösen, nutzt die Amygdala zwei Wege. Der schnellere Weg läuft über das sogenannte sympathische Nervensystem, das den Körper auf Aktivität einstimmt. Etwas langsamer ist der Weg über den Hypothalamus. Der Hypothalamus ist ein komplexes Gebilde im Zwischenhirn, das grundlegende Funktionen unseres Körpers steuert. Für die Stressreaktion setzt er eine ganze Kaskade von Hormonen in Gang.

Der „schnelle“ Weg: das sympathische Nervensystem

Über die Nervenstränge des sympathischen Nervensystems im Rückenmark gelangt die Information „Gefahr“ zum Mark der Nebenniere. Dort werden Adrenalin und – in geringerem Maß – Noradrenalin ausgeschüttet. Diese Hormone nennt man auch Katecholamine. Sie treiben den Herzschlag und den Blutdruck in die Höhe. Sie sorgen für eine größere Spannung der Muskeln. Sie bewirken, dass mehr Blutzucker freigesetzt wird, sodass die Muskelzellen besser versorgt werden können.

Der „langsame“ Weg über den Hypothalamus

Parallel informiert die Amygdala den Hypothalamus, dass Gefahr im Verzug ist. Der Hypothalamus schüttet hormonelle Botenstoffe aus, unter anderem das Corticotropin-releasing-Hormon. Dieses Hormon wirkt auf die Hirnanhangdrüse im Gehirn – Hypophyse genannt. Es sorgt dafür, dass sie ein weiteres Hormon freisetzt, das Adrenocorticotropin, kurz ACTH. Es gelangt mit dem Blut zur Rinde der Nebenniere und veranlasst, dass das Stresshormon Kortisol ausgeschüttet wird. Kortisol ist ein lebenswichtiges Glukokortikoid, das auch viele andere Funktionen im Körper hat. Ist es im Übermaß vorhanden, kann es den Körper schädigen.

 

Zusammen sorgen die Hormone und das sympathische Nervensystem dafür, dass unser Körper mehr Sauerstoff und Energie bekommt. Das steigert die Handlungsfähigkeit. Auch einige andere Hormone, Botenstoffe und körpereigene Eiweiße, die sogenannten Zytokine, sind an der Stressreaktion beteiligt.

 

 

Was Hormone bei Stress-Belastungen bewirken:

  • der Atem beschleunigt sich
  • Puls und Blutdruck steigen an
  • die Leber produziert mehr Blutzucker
  • die Milz schwemmt mehr rote Blutkörperchen aus, die den Sauerstoff zu den Muskeln transportieren
  • die Adern in den Muskeln weiten sich. Dadurch werden die Muskeln besser durchblutet.
  • der Muskeltonus steigt. Das führt oft zu Verspannungen. Auch Zittern, Fußwippen und Zähneknirschen hängt damit zusammen.
  • das Blut gerinnt schneller. Damit schützt sich der Körper vor Blutverlust
  • die Zellen produzieren Botenstoffe, die für die Immunabwehr wichtig sind
  • Verdauung und Sexualfunktionen gehen zurück. Das spart Energie.

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Stressbremse bei Stress-Belastungen

Zum Glück regen wir uns meistens nach Stress auch wieder ab. Dabei hilft eine eingebaute Stressbremse. Ist das Stresshormon Kortisol in ausreichendem Maß im Blut vorhanden, merken dies bestimmte Rezeptoren im Drüsensystem und im Gehirn: die Glucocorticoid-Rezeptoren. Daraufhin stoppt die Nebennierenrinde die Produktion von weiterem Kortisol. Das parasympathische Nervensystem – der Teil des Nervensystems, der unseren Körper zur Ruhe kommen lässt – wird aktiv. Wir werden wieder ruhiger und entspannen uns.

Anders sieht es aus, wenn das Zusammenspiel der Hormone nicht optimal funktioniert. Dann wird die Achse aus Hypothalamus, Hirnanhangdrüse und Nebenniere zu aktiv. Sie produziert zu viel Kortisol. Kortisol kann durch Bewegung abgebaut werden. Mein Tipp: in akuten Stress-Situationen die Treppe herauf- und herunterlaufen oder auf der Stelle hüpfen.

Dauerhafte Stress-Situationen können in schlimmen Fällen zu Denkstörungen, zu Gewebeschwund im Hirn und zu Störungen des Immunsystems führen. Auch die Entstehung von Depressionen wird auf diesen Einfluss zurückgeführt, ebenso Stoffwechselstörungen, die Diabetes fördern.

 

Fühlen und Denken unter Stress-Belastungen

Jeder Mensch reagiert anders auf Stress: Manche explodieren bei der kleinsten Gelegenheit vor Zorn. Andere möchten sich bei Stress am liebsten unter der Bettdecke verkriechen. Wie wir uns fühlen, wenn wir im Stress sind, hängt von unseren Gedanken ab. Wir können uns mit ihnen selbst beruhigen, aber auch in Angst und Schrecken versetzen.

Stress verstärkende Einstellungen

Ein paar Beispiele für Einstellungen, die einem das Leben schwer machen können:

  • Sei perfekt! Mach auf keinen Fall Fehler.
  • Sei beliebt! Geh Konflikten aus dem Weg.
  • Sei stark! Zeig keine Schwäche und mach dich bloß nicht abhängig.
  • Pass bloß auf! Sorge für 100-prozentige Sicherheit, bevor du dich entscheidest.

Realitäts-Check

Erkennen Sie etwas davon bei sich selbst? Dann fragen Sie sich, wie realistisch diese Anforderungen sind und ob Sie sie wirklich immer und vollkommen erfüllen müssen.

Positive Selbstgespräche

In Stress-Situationen tauchen oft Gedanken auf wie „Das schaffe ich nie“, „Das wird schiefgehen“ oder „Ich bin unfähig“. Wenn Sie solche Gedanken bemerken, können Sie versuchen, sie durch ermutigende Gedanken zu ersetzen. Das erfordert ein wenig Übung.
Statt sich vor einer Herausforderung zu sagen „Das schaff ich nicht“ oder „Das geht bestimmt schief“, könnten Sie sich zum Beispiel sagen: „Erst mal probieren“ oder „Mach´s Schritt für Schritt“.

 

Einfluss von Stress-Belastungen auf das Immunsystem

In stressigen Zeiten sind Sie besonders anfällig für Erkältungen und Allergien sowie andere Krankheiten. Denn Stress beeinflusst die Immunabwehr: Kurzer Stress kann sie anregen, zu langer oder zu starker Stress lässt sie in die Knie gehen.

Heute ist nachgewiesen: Sowohl vorübergehender akuter Stress als auch lang andauernde Stress-Belastungen verändern die Arbeit des Immunsystems – aber in unterschiedlicher Form:
– Bei akutem Stress wird die unspezifische Abwehr gestärkt, die spezifische Abwehr aber kurzfristig zurückgefahren.
– Bei Dauerstress leidet sowohl die spezifische als auch die unspezifische Immunabwehr.

Weitere Informationen zur Arbeit des Immunsystems finden Sie in meinem Blog.

 

Viele Untersuchungen zeigen: Wer unter Dauerstress steht, wird schneller krank und langsamer wieder gesund. Viren und andere Erreger haben ein leichtes Spiel. So können zum Beispiel in stressigen Zeiten die Herpes-Bläschen wiederkehren, die das Immunsystem sonst gut im Griff hat. Wunden heilen langsamer. Sogar Impfungen wirken bei dauerhaft gestressten Menschen schlechter als bei anderen.

Für stressige Lebensabschnitte und auch für eine gute Grundversorgung des Immunsystems empfehle ich die regelmäßige Einnahme von Cellagon.

 

 

Quelle: Dipl.-Psych. Anne Frobeen, TK